Reichsstadt und Gewalt


Mühlhausen/Thür., 24. bis 26. Februar 2020

Achte wissenschaftliche Tagung des Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte in Verbindung mit der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung und dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V.

Konzeption

Die beengte Wohnsituation, divergierende ökonomische Interessen und Konkurrenz um Macht und Statuts – das Gewaltpotential war besonders in Städten hoch. Deshalb finden sich schon in den frühesten städtischen Rechtsüberlieferungen Bestimmungen zum Verbot oder zumindest zur Beschränkung von physischer Gewalt, die ihrerseits mit Gewaltandrohungen bewehrt waren.

Die Rechtsquellen allein legen den Eindruck nahe, als würde die physische Gewalt von Seiten des Rechts in der Vormoderne nach und nach eingeschränkt und erfolgreich durch die Rechtsgewalt monopolisiert. Andere Quellen lassen eher darauf schließen, dass Formen physischer Gewalt über Jahrhunderte hinweg im städtischen Raum präsent blieben und zu einem gewissen Grad auch toleriert wurden.

Ziel der Tagung ist es, zwei Perspektiven zusammenzubringen, indem sie sowohl die Gewalt über Menschen (Rechtsgewalt) als auch die physische Gewalt gegen andere Menschen oder Gruppen berücksichtigt. Thematisiert wird das Kräftespiel zwischen dem Rat als Rechtsgewalt einerseits und Akteuren im Stadtraum andererseits, die physische Gewalt ausübten oder von ihr betroffen waren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Reichsstädten im Zeitraum zwischen ca. 1250 und 1800, da sie in der Regel selbst die höhere Gerichtsbarkeit innehatten und so die volle Strafgewalt (Körperstrafen, Hinrichtungen etc.) einsetzen konnten. Andererseits war es aber in nicht wenigen Fällen gerade die Verfügung über die Hochgerichtsbarkeit seitens anderer Herrschaftsträger, die reichsstädtische Autonomie beschränkte.

Historiker*innen aus Wissenschaft und Archivwesen stellen ihre Antworten auf Fragen wie die Folgenden vor: Inwiefern wirkten Rechtsgewalt und Formen physischer Gewalt in der Stadt aufeinander ein? Wurde physische Gewalt zur Ausübung der Rechtsgewalt eingesetzt? Wann und in welchem Umfang wurde physische Gewalt durch den Rat toleriert?

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