Reichsstadt als Argument

Mühlhausen/Thür., 12. bis 14. Februar 2018

Sechste wissenschaftliche Tagung des Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte in Verbindung mit der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung und dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V.

Konzeption

Im Ordnungsgefüge des Alten Reiches nahmen Reichsstädte eine Sonderstellung ein. Unmittelbar zu König und Reich genossen sie Freiheiten, die andere Städte nicht besaßen, traten auf Hof- und Reichstagen auf und waren durch ihre Reichsunmittelbarkeit vor den Zugriffen der Fürsten besser geschützt. Dies wiederum eröffnete ihnen größere Handlungsspielräume und weitreichende Autonomie, die sie gegenüber anderen Städten mehr oder weniger deutlich hervorhoben. Andererseits waren Reichsstädte von reichspolitischen Problemen wie Thronstreitigkeiten und Interregnum, den Bemühungen um einen Reichsfrieden und kirchenpolitischen Fragen viel unmittelbarer betroffen als andere Kommunen und damit immer wieder mit besonderen Gefahren und zusätzlichen Belastungen etwa durch militärische oder finanzielle Hilfen für das Reich konfrontiert.

Reichsstadt zu sein war somit nicht nur eine Frage der rechtlichen Stellung im Ordnungsgefüge des Reiches, sondern vor allem eine politische Frage, abhängig von konkreten Herrschaftskonstellationen und nicht zuletzt eine Frage der Wahrnehmung und des Selbstverständnisses städtischer Eliten.

Was es bedeutete, Reichsstadt zu sein, war deshalb keineswegs klar festgelegt, sondern vielfach das Ergebnis von Aushandlungsprozessen, die den konkreten Status von Reichsstädten immer wieder neu definierten. So konnte es für eine Stadt, abhängig von ihrer jeweiligen Situation, von Vorteil sein, ihre tatsächliche oder auch nur beanspruchte Sonderstellung als Reichsstadt zu betonen, andererseits war es mitunter sinnvoll, den Reichsstadtstatus zu leugnen, wenn damit Ansprüche von König und Kaiser abgewehrt werden konnten.

Die Tagung „Reichsstadt als Argument“ versucht, über einen langgestreckten Zeitraum vom Spätmittelalter bis zum Ende des Alten Reiches spezifische und wiederkehrende Argumentationsmuster und -kontexte herauszuarbeiten und vergleichend zu betrachten. Dabei rückt die grundsätzliche Frage nach dem Selbstverständnis von Städten als „Reichsstädte“ im Mittelalter und in der Neuzeit in den Fokus.

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