Reichsstadt und Geld

Mühlhausen/Thür., 27. Februar bis 1. März 2017

Fünfte wissenschaftliche Tagung des Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte in Verbindung mit der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung und dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein e. V.

Konzeption

Markt- und Geldwirtschaft gehören zu den Gründungsnarrativen der Stadtgeschichte, zumal der Reichsstadtgeschichte. Zwar blieben selbst große Reichsstädte von ihrem Umland abhängig, doch boten sich mit dem Markt als Zentrum des Austauschs weitere Einflusszonen. Eine sich sukzessive ausbreitende Geldwirtschaft lieferte neue Möglichkeiten der Aufbewahrung und Gewinnmaximierung, schnellere und bequemere Zahlungsmodalitäten und zugleich ein auf Geldwerten basierendes neues Wertesystem.

Die Basis einer solchen Entwicklung war eine stabile Währung. Zunächst königliches Regal, ging das Recht, Geld zu prägen, über Pfand und Kauf nach und nach auch auf Reichsstädte über. So unabhängig viele Reichsstädte durch ihre Reichsunmittelbarkeit gerade in Bezug auf die Geldwirtschaft wurden, so anfällig blieben sie für währungspolitische Eingriffe des Königtums. Zwiespältig war besonders das Verhältnis zur Steuer.

Innerstädtisch überstiegen die Einnahmen im besten Falle die Ausgaben. Formen pragmatischer Rechenhaftigkeit und Schriftlichkeit boten Ordnungskategorien zur langfristigen Kalkulation auch für städtische Haushalte. Allerdings konnte Buchführung allein strukturelle Defizite nicht ausgleichen. Nicht jede Reichsstadt war auch tatsächlich reich. Etliche waren durch dauerhafte Schulden in ihrer reichsunmittelbaren Stellung bedroht. Und wer deckte in einer angeblich vom christlichen Zinsverbot gehemmten Wirtschaft überhaupt Schulden und vergab Kredite? Welche sozialen Gruppen profitierten innerhalb der reichsstädtischen Gesellschaft von der expandierenden Geldwirtschaft? Wie verschob sich gar das Verhältnis von Gemeinem Nutzen und Eigennutz oder von Leihe zu Eigentum? Diesen und ähnlichen Fragen wird sich die fünfte Tagung des Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte in gewohnt diachronem Zugriff widmen.

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